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Drehorgeln

Schwarzwaldmuseum

Die Drehorgel ist ein Instrument, das für den Gebrauch auf der Straße gebaut wurde. In einer Zeit ohne Radio brachten Drehorgelspieler Musik auf die Dörfer und in die Hinterhöfe der Städte. Viele Menschen versuchten, mit dem Spiel der Drehorgel ihren Lebensunterhalt zu verdienen .Das Drehorgelspiel wurde aber von den Behörden als Bettelei angesehen und durch den Verkauf von Konzessionen erschwert.

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Die Drehorgel besitzt wie die Flötenuhr Orgelpfeifen, eine Stiftwalze und Blasbälge. Später wurden anstelle der Stiftwalzen auch gestanzte Notenrollen zur Aufzeichnung der Melodien eingesetzt. Jahrmarktsorgeln waren seit Mitte des 19.Jahrhunderts die Attraktion von Karussels und anderen Schaustellungen.

Der Schwarzwald wurde zu einem Zentrum des Drehorgelbaues. Der Musikuhrenmacher Ignatz Blasius Bruder war der erste Schwarzwälder, der 1834 Drehorgeln in der Tradition der Flötenuhrenfertigung baute. In dem Städtchen Waldkirch spezialisierten sich immer mehr Handwerker auf den Bau von Einzelteilen von Drehorgeln und machten die "Waldkircher Orgel" bald zu einem Qualitätsbegriff im deutschsprachigen Raum. Zeitweise waren auch französische Orgelfirmen wie Gavioli und Limonaire mit Zweigstellen in Waldkirch vertreten.

Neben dem Schwarzwald war Berlin das wichtigste Herstellungszentrum für Drehorgeln in Deutschland. Bis in die 30er Jahre des 20.Jahrhunderts zogen Hunderte von Leierkastenmänner durch die Straßen von Berlin. Bekannte Firmen wie Bacigalupo, Frati, Cocchi sowie Adolf und Wilhelm Holl beherrschten den Markt.

Die großartige Sammlung von Drehorgeln und mechanischen Musikinstrumenten, welche seit 1999 hier im Museum zu sehen ist, verdanken wir einer Stiftung, die der Berliner Drehorgelbauer und Sammler Kurt Niemuth (1931-1996) noch kurz vor seinem Tod errichtet und für das Schwarzwald - Museum Triberg bestimmt hat.

Weitere Informationen zum Thema Drehorgeln finden Sie auch hier bei der Firma Fleck in Waldkirch.

Zur Steuerung der von Blasbälgen erzeugten Druckluft für die Orgelpfeifen diente eine Stiftwalze, auf der die Melodie mit Metallstiften gespeichert ist. Über eine Hebelmechanik werden dann die Ventile zu den Pfeifen gesteuert.

Später wurden die Stiftwalzen durch lochgestanzte Notenbänder aus Karton ersetzt, die mit Druckluft oder einem Vakuum abgetastet werden. Angetrieben wurden die Orchestrien durch schwere Gewichte. Später ersetzte man sie durch Elektromotoren. Die Orchestrionbauer des Schwarzwaldes bauten im 19.Jahrhundert in der Tradition des Flötenuhrenbaus Orchestrien mit Pfeifen. Zulieferer waren Pfeifenmacher, Drehorgelbauer und andere Handwerker.Unsere nähere Umgebung war dabei durch die bekannten Firmen Blessing, Unterkirnach bei Villingen, Welte,Vöhrenbach (später Freiburg), Imhof & Muckle, Vöhrenbach, Heitzmann, Villingen, und Weber in Waldkirch vertreten. Beispiele ihrer schöpferischen Kunstfertigkeit sind im Schwarzwald - Museum zu bewundern und zu hören.

Das grösste Orchestrion im Museum wurde 1885 von der Firma Tobias Heitzmann in Villingen eigens für das Schwarzwald - Museum Triberg gebaut. Mit seinen 500 Pfeifen hat es die Klangfülle eines Orchesters von 50 Musikern.

Die Orchestrien wurden in Gaststätten, Konzert - und Tanzsälen eingesetzt und erfreuten bald ein breites Publikum in ganz Europa.

Besonders bemerkenswert ist auch das Reproduktionsklavier "Welte-Mignon" der Firma Welte,Freiburg (früher Vöhrenbach), mit dem man das Klavierspiel berühmter Pianisten mit Hilfe von ausgestanzten Papiernotenrollen wiedergeben konnte. Auch ein Aufnahmeflügel für die Notenrollen ist im Museum zu sehen.

Mit der Erfindung des Grammophons und des Radios verloren die Orchestrienbauer dann im 20.Jahrhundert mit der Zeit ihre Bedeutung.

Schwarzwaldmuseum Triberg * Wallfahrtstraße 4 * 78098 Triberg